Was ist ein iterativer Prozess? (mit Beispielen für Iteration)

Julia Martins – FotoJulia Martins20. April 20216 Minuten Lesezeit
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Beim Begriff „iterativer Prozess“ oder „Iteration“, wie etwa auch bei Agile, denken viele sofort an Entwickler-Teams. Tatsächlich iterieren aber die meisten Teams auch in anderen Bereichen auf die eine oder andere Weise, und eine iterative Methode kann Ihnen helfen, Risiken zu reduzieren, Effizienz sicherzustellen und Probleme flexibel und dynamisch anzugehen.

Wenn ein iterativer Prozess und das Thema Iteration noch neu für Sie sind und Sie es ausprobieren wollen, sind Sie hier genau richtig. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie den iterativen Prozess definieren und in Ihrem Team implementieren können.

Was ist der iterative Prozess? Was bedeutet Iteration?

Der iterative Prozess ist ein Ansatz, bei dem ein Projekt, Produkt oder Vorhaben erstellt, weiterentwickelt und verbessert wird. Teams, bei denen ein iterativer Prozess zum Einsatz kommt, erstellen, testen und überarbeiten einen Ablauf so lange, bis sie mit dem Endergebnis zufrieden sind. Sie können sich die iterative Vorgehensweise als eine Methode für Versuche vorstellen, die durchaus fehlschlagen können und dann beim nächsten Durchgang angepasst werden. Dieser Vorgang wird auch als Iteration bezeichnet und wird Ihr Projekt seinem Ziel näherbringen.

Iterative Prozesse sind ein fundamentaler Bestandteil schlanker Ansätze und agilem Projektmanagement – aber diese Prozesse können von jedem Team implementiert werden. Auch wenn Sie nicht mit Agile arbeiten, wird ein iterativer Prozess und seine Schritte fortlaufend Ihr Design, Produkt oder Projekt verbessern, bis Sie und Ihr Team mit dem Projektergebnis zufrieden sind.

Was ist dann ein nicht-iterativer Prozess?

In einem nicht-iterativen Prozess arbeiten Sie und Ihr Team zusammen, um ein Endprodukt zu erstellen, brauchen dabei aber nicht unbedingt etwas Neues auszuprobieren. Nicht-iterative Prozesse erfordern meist mehr Zeit für die Konzept- und Erstellungsphase, sodass in der Testphase alles wie geplant läuft.

Der meistgenutzte nicht-iterative Prozess ist das Wasserfallmodell. Dabei definieren Sie und Ihr Team noch vor dem Projektbeginn die Projektphasen. Jede Phase beginnt, wenn die vorherige Phase komplett abgeschlossen ist. Anforderungen und Ressourcen werden normalerweise endgültig festgelegt, bevor das Projekt beginnt, und das Team vermeidet nach Möglichkeit Änderungen des Projektplans – und somit Iteration.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Sie mit einer Designagentur arbeiten, um ein E-Book zu erstellen. Zuerst müssen Sie den gesamten Buchtext zur Verfügung stellen. Dann wird die Designagentur diesen Text nehmen und Designs erstellen. Am Ende wird Ihr internes Team das designte Buch redigieren, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist. Das ist ein Beispiel für das Wasserfallmodell, weil jede Phase auf der vorherigen aufbaut (Sie können in diesem Fall also nicht mit dem Redigieren anfangen, bevor das Design fertig ist).

Je nach Ihrem Team und Ihren Projekttypen können nicht-iterative Prozesse schwierig sein, weil sie Ihrem Team keine Zeit für Iteration und stetige Verbesserungen geben. Da es bei der Entwicklung so viele Unabwägbarkeiten und Überraschungen geben kann, nutzen insbesondere Entwicklungsteams iterative Prozesse – aber tatsächlich kann jedes Team von ihnen profitieren.

Sind inkrementelles Vorgehen und iterative Prozesse ein und dasselbe?

Für die meisten Teams sind „inkrementelle Vorgehensweise“ und „iterativer Prozess“ austauschbare Begriffe, und in der Praxis sind beide oft miteinander verknüpft. Aber trotzdem gibt es zwischen den beiden Begriffen einen Unterschied.

Wenn ein iterativer Prozess und entsprechende Schritte in Ihrem Team verwendet werden, arbeiten Sie daran, Ihr Projekt auf Basis von Feedback oder neuen Informationen und mithilfe von Iteration zu verbessern. Der iterative Prozess wird nach der Methode Versuch und Irrtum umgesetzt; das Projekt wird aufgrund dieser Änderungen mit der Zeit immer besser.

Beim inkrementellen Vorgehensmodell – auch „inkrementelle Entwicklung“ genannt – werden neue Funktionen hinzugefügt und die erste Version oder das erste Projektergebnis wird verbessert. Bei der inkrementellen Vorgehensweise wird die Prototyping-Methode angewandt, bei der ein Team bewusst eine Art simplifizierten Prototyp seines eigentlichen Projektergebnisses erstellt, um dieses so schnell wie möglich vorstellen zu können (wie beim alten Facebook-Motto: Move fast and break things). Im Anschluss beginnt der eigentliche iterative Prozess im Team und die Ausgangsversion wird in Inkrementen verbessert, indem Nachfolgemodelle mit verbesserter Funktionalität erstellt werden. So setzt sich der Vorgang fort, bis das Produkt alle erforderlichen und gewünschten Funktionen aufweist.

Die meisten Teams, die iterative Prozesse nutzen, setzen auch eine inkrementelle Vorgehensweise um (und umgekehrt). Gute iterative Prozesse sind auch inkrementell. Das bedeutet, dass Sie die Rohversion Ihres Produktes kontinuierlich verbessern können. Eine gute inkrementelle Vorgehensweise ist immer auch iterativ, denn Sie in der Lage sein müssen, auf Kundenfeedback zu reagieren und bei Bedarf Ihre Arbeitsweise anzupassen.

Beispiele für iterative Prozesse

Iterative Prozesse – Beispiel 1: Iteration in der Entwicklung (iterative Entwicklung)

Viele Entwicklungsteams nutzen iterative Prozesse, um neue Funktionen zu entwickeln, Probleme zu beheben oder A/B-Tests neuer Strategien durchzuführen. Oft erstellt ein Entwicklungsteam mehrere Iterationen, die gleichermaßen vielversprechend erscheinen, die dann mit Nutzern getestet werden. Das Team wird positive und negative Seiten des Produkts identifizieren und dann diejenigen Versionen durch iterative Entwicklung weiter verbessern, die in den Tests am besten abgeschnitten haben. Diese Methode wird daher gern in der Agile Softwareentwicklung mithilfe von Sprints oder beim Extreme Programming angewendet.

Iterative Prozesse – Beispiel 2: Iteration in der Produktentwicklung

Es mag Sie überraschen, aber genau wie die iterative Entwicklung ist die Produktentwicklung überwiegend iterativ. Denken Sie an ein Gerät, das Sie irgendwann für Ihren persönlichen Gebrauch gekauft haben: Wahrscheinlich gab es ein Vorgängermodell, und vielleicht auch ein Nachfolgemodell. Denken Sie an die Entwicklung von Handys über die Jahre, daran, wie Lautsprecher mit der Zeit kleiner und portabler geworden sind, oder auch, wie Kühlschränke der gleichen Marken sich geändert haben, um neue Anforderungen von Familien zu erfüllen. All das sind iterative Prozesse.

Iterative Prozesse – Beispiel 3: Iteration im Marketing

Einige Marketingteams nutzen ausschließlich iterative Prozesse, andere eher eine gemischte Vorgehensweise. Aber in einem gewissen Maß sind viele Marketingprozesse iterativ. Ein Marketingteam könnte zum Beispiel mit unterschiedlichen Werbetexten experimentieren, um den gewünschten Werbeeffekt zu erzielen oder zwei Versionen eines E-Mail-Newsletters verschicken, um Klickraten zu vergleichen. Ein Marken-Marketingteam könnte darüber hinaus auch ein iteratives Vorgehen nutzen, um die Marketingbilder zu identifizieren, die die Zielgruppe am besten anspricht.

Iterative Prozesse – Beispiel 4: Iteration im Vertrieb

Anders als z. B. die iterative Entwicklung, verfolgt ein Großteil der kundenorientierten Arbeit eines Vertriebsteams keinen iterativen Ansatz. Dennoch können einige der Aufgaben trotzdem davon profitieren, wenn ein iterativer Prozess und seine Schritte zum Einsatz kommen. Zum Beispiel könnte ein Vertriebsteam einen Ansatz, der auf Iteration beruht, zum Verschicken von E-Mails zur Kaltakquise nutzen. Die Mitarbeiter können zum Beispiel E-Mails mit einigen unterschiedlichen Betreffzeilen versenden und die Ergebnisse analysieren. Danach kann das Team die erfolgreichsten Betreffzeilen nutzen.

Ihr iterativer Prozess in 5 Schritten

Das Iterationsverfahren kann Ihnen während des gesamten Projektlebenszyklus helfen. Während der iterative Prozess schrittweise vorangeht dienen Ihre Ziele und Anforderungen als Ausgangspunkt des Projekts. Dann kann Ihr Team Tests, Prototypen und Iterationen nutzen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Und so geht es:

Iterativer Prozess – Schritt 1: Planung und Anforderungen

Ein iterativer Prozess beginnt mit der Definition Ihres Projektplans und der Einigung mit anderen Beteiligten auf die Gesamtziele des Projekts. In dieser Phase legen Sie auch klare Anforderungen festlegen, die erfüllt werden müssen, damit Ihr Projekt erfolgreich ist. Ohne diesen Schritt laufen Sie Gefahr, zu iterieren, ohne ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Iterativer Prozess – Schritt 2: Analyse und Design

In diesem Schritt konzentrieren Sie und Ihr Team sich auf die geschäftlichen und technischen Anforderungen Ihres Projekts. Während Sie im ersten Schritt Ihre Ziele formuliert haben, führen Sie im zweiten Schritt ein Brainstorming über die beste Vorgehensweise durch, damit Sie Ihre Ziele auch wirklich erreichen können.

Iterativer Prozess – Schritt 3: Implementierung

Im dritten Schritt wird Ihr Team die erste Iteration Ihres Projektergebnisses erstellen. Diese Iteration wird auf Ihrer Analyse und Ihrem Design basieren, und sollte bereits klar auf das Projektziel ausgerichtet sein. Der Grad der Ausarbeitung und der Zeitaufwand für diese Iteration können je nach Projekt variieren.

Iterativer Prozess – Schritt 4: Tests

Nun, da Sie eine Iteration haben, müssen Sie diese testen. Dabei wählen Sie die Art der Tests aus, die für das aktuelle Projekt am sinnvollsten sind. Wenn Sie an Verbesserungen für eine Webseite arbeiten, können Sie A/B-Tests zwischen der neuen Version und Ihrer aktuellen Seite durchführen. Wenn Sie ein neues Produkt oder eine neue Funktion erstellen, führen Sie zum Beispiel Usability-Tests mit potenziellen Kunden durch.

Zusätzlich zu den Tests sollten Sie auch mit Ihren Projektbeteiligten Rücksprache halten. Fragen Sie sie nach Ihrer Meinung und erbitten Sie Feedback zu der Iteration.

Iterativer Prozess – Schritt 5: Evaluation und Überprüfung

Im Anschluss an die Tests evaluiert Ihr Team den Erfolg der Iteration und diskutiert, ob Änderungen erforderlich sind. Erfüllt die Iteration Ihre Projektziele? Warum oder warum nicht? Wenn etwas geändert werden muss, können Sie den iterativen Prozess wieder aufnehmen, den zweiten Schritt überarbeiten und die nächste Iteration erstellen. Vergessen Sie nicht, dass Ihre Ausgangsplanung und die Ziele für alle Iterationen konsistent sein sollten. Arbeiten Sie an den vorherigen Iterationen so lange, bis Sie ein Ergebnis erhalten, mit dem Sie zufrieden sind.

Wenn Sie Ihr iteratives Verfahren wiederaufnehmen, stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten die ursprünglichen Projektziele im Auge behalten. Der iterative Prozess kann Wochen oder Monate dauern, je nachdem, wie viele Iterationen Sie durchführen. Wenn ein bestimmter iterativer Prozess erneut aufgenommen wird, sollten Sie sich stets an Ihrem ursprünglichen Ziel orientieren.

Ein iterativer Prozess und seine Vor- und Nachteile

Das iterative Modell ist weder für jedes Team noch für jedes Projekt geeignet. Hier sind die wichtigsten Vor- und Nachteile des iterativen Prozesses für Ihr Team.

Vorteile von Iteration:

  • Verbesserte Effizienz. Da der iterative Prozess nach der Methode Versuch und Irrtum arbeitet, können Sie oftmals schneller das gewünschte Ergebnis erreichen als mit einem nicht-iterativen Prozess.

  • Verbesserte Zusammenarbeit. Statt sich an vordefinierte Pläne und Spezifikationen zu halten (die aufwendig erstellt werden müssen), arbeitet Ihr Team während des gesamten Prozesses aktiv zusammen.

  • Verbesserte Anpassungsfähigkeit. Wenn Sie während der Implementierungs- und Testphasen neue Erfahrungen machen, können Sie Ihre Iterationen an Ihre neuen Zielvorgaben anpassen. Sie könnten sich sogar auf Veränderungen einlassen, die Ihr iterativer Prozess zu Beginn noch nicht berücksichtigt hat.

  • Verbesserte Kosteneffizienz. Wenn Sie den Umfang des Projektes ändern müssen, sollten Sie bedenken, dass Sie anfänglich nur ein Minimum an Zeit und Aufwand in den Prozess investiert haben.

  • Mehr Möglichkeiten für parallele Arbeit. Im Gegensatz zu anderen, nicht-iterativen Ansätzen wie der Wasserfall-Methode basieren Iterationen nicht unbedingt auf Arbeit, die bereits abgeschlossen wurde. Teammitglieder können parallel an mehreren Elementen des Projekts arbeiten, was den Gesamtzeitplan verkürzen kann.

  • Geringeres Projektrisiko. Beim iterativen Prozess werden Risiken während jeder Iteration identifiziert und minimiert. Statt sich am Anfang und Ende des Projekts mit großen Risiken auseinanderzusetzen, arbeiten Sie kontinuierlich an Ad-hoc-Lösungen für akute Probleme.

  • Zuverlässigeres Nutzerfeedback. Wenn Sie eine Iteration haben, die Nutzer sehen und ausprobieren können, können Sie bei jedem Schritt spezifisches Feedback sammeln.

Nachteile von Iteration:

  • Ein erhöhtes Risiko von Scope Creep. Da Sie beim iterativen Prozess viel mit Versuch und Irrtum arbeiten, könnte sich Ihr Projekt in eine unerwartete Richtung entwickeln und Ihren ursprünglichen Projektumfang überschreiten.

  • Mangelnde Flexibilität bei der Planung und den Anforderungen. Ein iterativer Prozess beginnt im ersten Schritt mit dem Festlegen Ihrer Projektanforderungen. Wenn Sie diese während des Prozesses ändern, führt dies zu einer Störung im Arbeitsablauf und birgt die Gefahr, Iterationen einzuführen, die für Ihr Projekt nicht zielführend sind.

  • Ungenaue Fristen. Da Teammitglieder Iterationen erstellen, testen und überarbeiten, bis sie ein gutes Ergebnis bekommen, ist der Zeitrahmen für diese Schritte nicht exakt definiert. Außerdem können Tests für unterschiedliche Versionen unterschiedlich lange dauern, was ebenfalls Einfluss auf den Projektzeitrahmen hat.

Iteration – Versuchen, prüfen und erneut versuchen

Letztendlich kann jedes Team aus dem iterativen Prozess lernen. Sie sollten bei der Arbeit die Methode Versuch und Irrtum anwenden. Bei Problemen setzen Sie auf Flexibilität und Zusammenarbeit. Ungeachtet dessen, ob Sie die Methode der Iteration anwenden oder nicht: Was letzten Endes zählt, ist die kontinuierliche Verbesserung Ihrer Arbeitsprozesse.

Für weitere Tipps lesen Sie unseren Artikel über die 25 wichtigen Projektmanagement-Kompetenzen, die Sie für Ihren Erfolg benötigen.

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