Der Einsteiger-Leitfaden für agile Methoden

Sarah Laoyan – FotoSarah Laoyan17. September 20217 Minuten Lesezeit
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Agile Methoden – Kopfzeilen-Bild

Zusammenfassung

Es gibt so viele verschiedene agile Methoden, dass es manchmal schwer sein kann, herauszufinden, welche die richtige für Ihr Team ist. In diesem Artikel erhalten Sie einen Überblick über das agile Projektmanagement und einige gängige Frameworks, die Ihnen den Einstieg erleichtern.

Beim Thema Projektmanagement gibt es eine Vielzahl von Frameworks, die Sie für die Verwaltung Ihres Projekts verwenden können. Traditionell laufen Projekte linear ab, wobei Aufgaben nacheinander abgearbeitet werden. Dies ist gemeinhin als Wasserfallmodell bekannt.

Das änderte sich im Jahr 2001, als der Einsatz von Software sehr viel populärer wurde. Die lineare Wasserfall-Methode ist für Software-Teams nicht so gut geeignet, da sich der Projektverlauf ständig ändert und auch die Kundenbedürfnisse sich schnell wandeln. So entstand das agile Projektmanagement.

Agiles Projektmanagement ist nicht nur für das Software-Projektmanagement nützlich – alle Arten von Teams können mit dieser dynamischen Methodik arbeiten. Wenn Sie mit agilem Projektmanagement beginnen möchten, sind Sie hier genau richtig.

Was versteht man unter „Agile“?

„Agile“ oder agile Methodik ist ein Projektmanagement-Framework, das Projekte in mehrere dynamische Phasen unterteilt, die gemeinhin als Sprints bezeichnet werden. Der agile Rahmen ist eine iterative Methodik. Nach jedem Sprint nehmen sich die Teams etwas Zeit zur Reflektion und ziehen ein Resümee, um zu sehen, ob es etwas gab, das hätte besser laufen können. Somit sind sie in der Lage, ihre Strategie für den nächsten Sprint anzupassen.

Das Manifest für agiles Projektmanagement

Das Manifest für agiles Projektmanagement ist ein Dokument, das sich auf vier Werte und 12 Grundsätze für die agile Softwareentwicklung konzentriert. Es wurde im Februar 2001 von 17 Softwareentwicklern veröffentlicht, die eine Alternative zum eher linearen, prozessorientierten Produktentwicklungsprozess suchten.

Die 4 Werte des agilen Projektmanagements

Wie im Manifest für agiles Projektmanagement dargelegt, gibt es vier Hauptwerte des agilen Projektmanagements:

Individuen gehen vor Prozessen und Tools  Agile Teams legen mehr Wert auf Zusammenarbeit im Team und Kooperation als auf unabhängiges Arbeiten und das Erledigen von Aufgaben „nach Vorschrift“.

Funktionierende Software geht vor umfassender Dokumentation Die Software, die agile Teams entwickeln, sollte funktionieren. Zusätzliche Arbeit, wie z. B. Dokumentation, ist nicht so wichtig wie die Entwicklung guter Software.

Zusammenarbeit mit dem Kunden geht vor Vertragsverhandlungen Kunden sind bei der agilen Methodik äußerst wichtig. Agile Teams geben den Kunden die Möglichkeit, die Software mit zu entwickeln. Daher ist die Zusammenarbeit mit dem Kunden wichtiger als die Vertragsverhandlungen.

Flexibilität geht vor starrer Planung Einer der größten Vorteile des agilen Projektmanagements besteht darin, dass es den Teams die Möglichkeit gibt, flexibel zu sein. Dieser Rahmen ermöglicht es den Teams, ihre Strategien schnell zu ändern, ohne dass das gesamte Projekt entgleist.

Die 12 Prinzipien des agilen Projektmanagements

Die vier Werte des agilen Projektmanagements sind die Säulen der agilen Methodik. Aus diesen Werten hat das Team 12 Prinzipien entwickelt, die sich leicht an die Bedürfnisse Ihres Teams anpassen lassen. Wenn man die Werte des agilen Projektmanagements mit den tragenden Säulen eines Hauses vergleicht, dann sind die 12 Prinzipien die Räume, die Sie in diesem Haus bauen können.

Die 12 Prinzipien des agilen Projektmanagements lauten:

  1. Zufriedene Kunden durch frühzeitige und kontinuierliche Bereitstellung. Wenn Kunden regelmäßig neue Updates erhalten, ist es wahrscheinlicher, dass sie die von ihnen gewünschten Änderungen im Produkt selbst mitverfolgen können. Dies führt zu glücklicheren, zufriedeneren Kunden und zu mehr Umsatz.

  2. Sich ändernde Anforderungen sind Teil des Projekts. Bei der agilen Vorgehensweise geht es um Anpassungsfähigkeit. Bei dieser iterativen Arbeitsweise schadet es eher, unflexibel zu sein. 

  3. Häufig einen Mehrwert bieten. Ähnlich wie bei Grundsatz Nummer eins gilt auch hier: Wenn Sie Ihren Kunden häufig einen Mehrwert bieten, ist es weniger wahrscheinlich, dass Sie sie als Kunde verlieren. 

  4. Beseitigung von Informations- und Kommunikationsbarrieren in Projekten. Zusammenarbeit ist der Schlüssel im agilen Projektmanagement. Ziel ist es, dass die Mitarbeiter aus ihren eigenen Projekten ausbrechen und häufiger zusammenarbeiten

  5. Motivierte Personen sind das Herzstück eines jeden Projekts. Agiles Projektmanagement funktioniert am besten, wenn Teams engagiert und aktiv am Erreichen eines Ziels arbeiten. 

  6. Die effektivste Art der Kommunikation geschieht von Angesicht zu Angesicht. Obwohl sich die Art und Weise, wie wir bei der Arbeit kommunizieren, seit 2001 dramatisch verändert hat, gilt diese Aussage auch heute noch. Wenn Ihr Team nicht an einem Ort arbeitet, verbringen Sie auch Zeit damit, von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren, z. B. mit Zoom-Anrufen. 

  7. Funktionierende Software ist die wichtigste Metrik für Fortschritte. Das Produkt steht beim agilen Projektmanagement im Fokus. Funktionierende Software hat oberste Priorität.

  8. Ein zu hohes Arbeitstempo schadet dem Projekt. Einige Aspekte des agilen Projektmanagements laufen schnell ab, aber es sollte nicht so schnell sein, dass die Teammitglieder nicht mehr hinterher kommen. Ziel ist es, die Nachhaltigkeit während des gesamten Projekts aufrechtzuerhalten.

  9. Kontinuierliche Spitzenleistungen verbessern die Flexibilität. Wenn das Team in einem Sprint hervorragenden Code entwickelt, kann es im nächsten Sprint darauf aufbauen. Durch kontinuierlich hervorragende Arbeit können die Teams in Zukunft schneller vorankommen. 

  10. Einfachheit ist wichtig. Manchmal ist die einfachste Lösung die beste Lösung. Agiles Projektmanagement zielt darauf ab, die Dinge nicht zu kompliziert zu machen und einfache Antworten auf komplexe Probleme zu finden. 

  11. Selbstorganisierte Teams schaffen den größten Wert. Ähnlich wie bei Grundsatz Nummer fünf werden Teams, die proaktiv sind, zu wertvollen Ressourcen für das Unternehmen, da sie sich bemühen, einen Mehrwert zu schaffen.

  12. Regelmäßige Reflektion und Anpassung der Arbeitsweise ist wichtig, um die Effektivität zu steigern. Retrospektive Meetings sind eine gängige Praxis beim agilen Projektmanagement. Es ist die Zeit für Teams, um zurückzublicken, über ihre Leistung nachzudenken und ihr Verhalten für die Zukunft anzupassen.

Kostenlose Vorlage für eine agile Retrospektive

Warum agiles Projektmanagement?

Agiles Projektmanagement wird häufig bei der Anwendungsentwicklung oder anderen Arten der Softwareentwicklung eingesetzt. Der Grund dafür ist, dass sich Software ständig verändert und die Anforderungen an das Produkt sich mit ihr ändern müssen. Aus diesem Grund sind lineare Projektmanagementmethoden wie das Wasserfallmodell weniger effektiv. Hier sind einige weitere Gründe, warum Teams agiles Projektmanagement verwenden:

Agile Methoden sind flexibel

Es gibt einen Grund, warum man es agiles Projektmanagement nennt. Einer der Hauptvorteile der Verwendung agiler Prozesse in der Softwareentwicklung ist die Möglichkeit, Strategien schnell zu ändern, ohne den Projektablauf zu unterbrechen.

Da die Phasen bei der traditionellen Wasserfallmethode ineinander übergehen, ist ein Wechsel der Strategie schwierig und kann den restlichen Projektablauf stören. Da die Softwareentwicklung ein sehr viel flexibler Bereich ist, kann das Projektmanagement bei schnellen Änderungen im traditionellen Sinne eine Herausforderung darstellen. Dies ist einer der Gründe, warum das agile Projektmanagement in der Softwareentwicklung bevorzugt wird.

Agiles Projektmanagement fördert Teamwork

Einer der Grundsätze des agilen Projektmanagements besagt, dass die effektivste Art der Kommunikation mit dem Team von Angesicht zu Angesicht erfolgt. Kombiniert man dies mit dem Prinzip, das Teams ermutigt, Informations- und Kommunikationsbarrieren aufzubrechen, schafft man die richtigen Bedingungen für besseres Teamwork.

Zwar hat sich die Technologie-Welt seit 2001 stark verändert, und die Arbeitswelt hat sich in Richtung Fernarbeit entwickelt, aber der Gedanke, von Angesicht zu Angesicht zu arbeiten, hat sich nicht geändert.

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Kundenbedürfnisse stehen bei agilen Methoden im Mittelpunkt

Einer der einzigartigen Aspekte der Softwareentwicklung ist, dass sich die Teams viel stärker als in anderen Branchen auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren können. Mit dem Aufkommen von Cloud-basierter Software sind die Teams schnell in der Lage, direktes Kundenfeedback zu erhalten.

Da die Kundenzufriedenheit eine der wichtigsten Triebfedern für die Softwareentwicklung ist, musste sie einfach in den agilen Prozess implementiert werden. Durch die Zusammenarbeit mit den Kunden können agile Teams Prioritäten für Funktionen setzen, die sich an den Kundenbedürfnissen orientieren. Wenn sich diese Bedürfnisse ändern, bieten sich agile Ansätze an, damit das Team zu einem anderen Projekt wechseln kann. 

Gängige agile Methoden

Der agile Rahmen fasst verschiedene Methoden zusammen. Im Folgenden finden Sie einige der gängigsten dieser agilen Methoden. 

Kanban

Kanban ist ein visueller Ansatz für agiles Projektmanagement. Teams verwenden Online-Kanban-Boards, um den Fortschritt bestimmter Aufgaben im Entwicklungsprozess darzustellen. Die Aufgaben werden durch Karten auf einer Tafel dargestellt, und die Phasen werden in Spalten dargestellt. Während die Teammitglieder an den Aufgaben arbeiten, werden die Karten von der Backlog-Spalte in die Spalte verschoben, die der Phase entspricht, in der sich die Aufgabe befindet.

Diese Methode ist eine gute Möglichkeit für Teams, Hindernisse zu erkennen und zu sehen, wie viel Arbeit erledigt wird. 

Lesenswert: Kanban-Boards für Anfänger

Scrum

Die Scrum-Methode ist eine gängige agile Methode für kleine Teams. Das Team wird von einem Scrum Master geleitet, dessen Hauptaufgabe darin besteht, alle Hindernisse für die anderen zu beseitigen, die die tägliche Arbeit erledigen. Die Arbeit wird in Sprints abgeschlossen, und Scrum-Teams treffen sich täglich, um aktive Aufgaben, Hindernisse und alles andere zu besprechen, was das Entwicklungsteam betreffen könnte.

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Adaptive Project Framework (APF)

Das Adaptive Project Framework, auch bekannt als Adaptive Project Management (APM), entstand aus der Idee, dass unbekannte Faktoren jederzeit während eines Projekts auftauchen können. Diese Technik wird hauptsächlich für IT-Projekte verwendet, bei denen herkömmliche Projektmanagementtechniken nicht anwendbar sind.

Dieses Framework basiert auf dem Gedanken, dass sich die Projektressourcen jederzeit ändern können. Zum Beispiel können sich Budgets ändern, Zeitpläne verschieben oder Teammitglieder, die an dem Projekt arbeiten, in andere Teams wechseln. Das APF konzentriert sich auf die Ressourcen, die ein Projekt hat, im Gegensatz zu den Ressourcen, die ein Projekt braucht. 

Extreme Project Management (XPM)

Diese Art des Projektmanagements wird häufig bei sehr komplexen Projekten mit einem hohen Maß an Unklarheiten eingesetzt. Bei diesem Ansatz werden die Prozesse ständig angepasst, bis sie zum gewünschten Ergebnis führen. Solche Projekte erfordern viele spontane Änderungen, und es ist normal, dass die Teams ihre Strategien von einer Woche zur nächsten ändern. 

XPM erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Dies ist einer der Gründe, warum jeder Sprint nur kurz ist – maximal ein paar Wochen. Diese Methodik ermöglicht häufige Änderungen, Trial-and-Error-Ansätze für Probleme und viele Iterationen der Selbstkorrektur.

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Adaptive Software Development (ASD)

Diese agile Methodik ermöglicht es den Teams, sich schnell an veränderte Anforderungen anzupassen. Der Schwerpunkt dieses Prozesses liegt auf der kontinuierlichen Anpassung. Die Phasen dieses Projekttyps – Vermutungen anstellen, Zusammenarbeiten und Lernen – ermöglichen ein kontinuierliches Lernen während des Projektverlaufs.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Teams, die ASD durchführen, in allen drei Phasen von ASD gleichzeitig befinden. Aufgrund der nicht-linearen Struktur ist es üblich, dass sich die Phasen überschneiden. Da diese Art des Managements fließend ist, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die ständige Wiederholung der drei Phasen den Teammitgliedern hilft, Probleme viel schneller zu erkennen und zu lösen als bei herkömmlichen Projektmanagementmethoden.

Dynamic Systems Development Method (DSDM, Methode zur dynamischen Systementwicklung)

Die Dynamic Systems Development Method ist eine agile Methode, die sich auf einen vollständigen Projektlebenszyklus konzentriert. Aus diesem Grund hat DSDM im Gegensatz zu anderen agilen Methoden eine strengere Struktur und Grundlage.

Es gibt vier Hauptphasen von DSDM:

Feature Driven Development (FDD, Funktionsorientierte Entwicklung)

Feature Driven Development kombiniert verschiedene bewährte Methoden des agilen Projektmanagements. Es handelt sich zwar immer noch um eine iterative Methode des Projektmanagements, aber dieses Modell konzentriert sich mehr auf die genauen Funktionen einer Software, an deren Entwicklung das Team arbeitet. Die funktionsorientierte Entwicklung stützt sich in hohem Maße auf den Input der Kunden, da die Funktionen, die das Team priorisiert, die Funktionen sind, die die Kunden benötigen.

Dieses Modell ermöglicht es den Teams auch, Projekte häufig zu aktualisieren. Wenn ein Fehler auftritt, kann er schnell behoben werden, da die Phasen dieses Frameworks sehr fließend sind.

Agile Prozesse mit Asana verwalten

Man hört oft, dass Softwareentwicklungsteams agile Prozesse nutzen, aber jedes Team kann agil arbeiten. Wenn Sie nach einem flexibleren Projektmanagement-Framework suchen, sollten Sie agiles Projektmanagement ausprobieren.

Unabhängig davon, welche Art von agiler Methodik Sie anwenden, braucht Ihr Team eine zentrale Quelle für alle Projektinformationen. Asana kann dabei helfen. Mit Asana können Teams Kanban-Boards erstellen oder Scrum-Sprints in einem flexiblen und kollaborativen Tool verwalten.

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