Die Kosten-Nutzen-Analyse erklärt: In 5 Schritten zu besseren Entscheidungen

Caeleigh MacNeil – FotoCaeleigh MacNeil14. Juli 202210 Minuten Lesezeit
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Zusammenfassung

Eine Kosten-Nutzen-Analyse ist ein Prozess, um die Wirtschaftlichkeit einer Entscheidung zu bewerten. Damit können Sie herausfinden, ob es sich lohnen würde. Das Tool eignet sich besonders, um etwaige bereits bestehende Präferenzen nicht in den Entscheidungsfindungsprozess einfließen zu lassen. Gerade wenn es sich um eine Entscheidung mit weitreichenden Auswirkungen auf Ihr Team oder den Erfolg eines Projektes handelt, können Sie davon profitieren. Die Kosten-Nutzen-Analyse mag zunächst umfangreich wirken, aber lassen Sie sich nicht entmutigen! Wir haben den Prozess vereinfacht und in fünf konkrete Schritte eingeteilt, die Sie einfach befolgen können.

Im Jahr 1848 hat der französische Ingenieur Jules Dupuit an der Konstruktion einer Brücke gearbeitet. Aufgrund seines privaten Interesses an wirtschaftlichen Fragestellungen, entschloss er sich, ein Experiment durchzuführen, um folgender Frage nachzugehen: Welche Höhe an Mautgebühren müsste die Regierung einnehmen, damit die Bau- und Wartungskosten der Brücke gedeckt sind? Das mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, aber Dupuit knüpfte noch eine besondere Voraussetzung an: Von den Nettokosten zog er noch die sozialen Vorteile ab, die die Brücke bringen würde. 

Die Berechnung des sozialen Nutzens einer Brücke klingt unmöglich – aber nicht für Dupuit. Er erfasste, wie viele Personen bereit waren, für die Nutzung der Brücke zu bezahlen. Mithilfe einiger origineller Kalkulationen fand er schließlich heraus, wie hoch die Mautgebühr unter Berücksichtigung der Kosten und Nutzen seiner Brücke sein mussten.

Und das war die Geburtsstunde der Kosten-Nutzen-Analyse. Der Prozess wurde danach verfeinert und wird heutzutage weniger für die Berechnung von Mautkosten genutzt, sondern vielmehr um herauszufinden, welche Entscheidungen wirtschaftlich sinnvoll sind. Der Kern der Kosten-Nutzen-Analyse hat sich aber nicht verändert; bei der Entscheidungsfindung spielen nach wie vor die Kosten und Nutzen eine zentrale Rolle. 

Was ist eine Kosten-Nutzen-Analyse?

Eine Kosten-Nutzen-Analyse ist ein Instrument zur Entscheidungsfindung. Sie können damit herausfinden, welche Maßnahmen Sie ergreifen bzw. weiterverfolgen sollten. Sie können sich damit einen quantitativen Blickwinkel auf eine Fragestellung verschaffen und so eine evidenzbasierte Entscheidung treffen, anstatt sich von Meinungen anderer oder Ihrem Bauchgefühl leiten zu lassen.

Im Zuge der Analyse weisen Sie den Kosten und Nutzen Ihrer Entscheidungsoptionen monetäre Werte zu und ziehen dann die Kosten von den Nutzen ab. Das Ergebnis aus diesen Berechnungen ist Ihr Nettogewinn. Diese Vorgangsweise ermöglicht Ihnen, die volle Höhe des wirtschaftlichen Nutzens (oder dessen Ausbleiben) Ihrer Entscheidungsmöglichkeiten zu ermitteln. Auf diese Weise können Sie feststellen, ob es Sinn macht, eine bestimmte Entscheidung zu treffen.

Lesenswert: 7 wichtige Schritte im Entscheidungsfindungsprozess

Wann lohnt sich der Einsatz einer Kosten-Nutzen-Analyse?

Eine Kosten-Nutzen-Analyse eignet sich hervorragend, wenn Sie vor der Frage stehen, ob Sie bestimmte Maßnahmen ergreifen sollten, und um eine Entscheidung zu treffen, bei der die wirtschaftlichen Kosten und der Nutzen klar sind. Am folgenden Bespiel wird das deutlich: Der Einsatz einer Kosten-Nutzen-Analyse ist sinnvoll, wenn Sie herausfinden möchten, ob ein Projekt durchführbar ist. Wenn Sie hingegen wissen möchten, ob ein neuer Mitarbeiter zu Ihrem Team passt, ist sie nicht das Mittel der Wahl, da die Arbeitserfahrungen und das Potenzial eines Bewerbers nicht mit konkreten monetären Kosten und Nutzen gemessen werden können. 

Die Durchführung einer solchen wirtschaftlichen Analyse beansprucht einige Zeit, und sollte daher vor allem dann eingesetzt werden, wenn Sie vor großen Entscheidungen stehen, die Ihr Team oder den Erfolg eines Projektes maßgeblich beeinflussen werden. Für kleinere, nicht so komplexe Entscheidungen können Sie auf einfachere Methoden wie eine Entscheidungsmatrix zurückgreifen. 

In diesen Situationen kann der Einsatz einer Kosten-Nutzen-Analyse hilfreich sein: 

  • Bei der Entwicklung einer neuen Unternehmensstrategie

  • Bei der Ressourcenverteilung oder bei Kaufentscheidungen

  • Bei der Entscheidung, ob ein neues Projekt weiterhin verfolgt werden soll

  • Beim Vergleichen von Investitionsmöglichkeiten

  • Bei der Evaluierung der möglichen Auswirkungen bzw. der Vorteile von neuen Unternehmensrichtlinien

  • Bei der Bewertung von Änderungsvorschlägen für die Unternehmensstruktur oder -prozesse

5 Schritte zur Erstellung einer Kosten-Nutzen-Analyse

Die Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse mag zunächst ziemlich umfangreich wirken, aber wir haben die Methode in fünf übersichtliche Schritte eingeteilt, die Sie einfach befolgen können. Wenn Sie den Prozess einmal durchlaufen haben, können Sie die einzelnen Schritte auch je nach Bedarf an die spezifischen Bedürfnisse eines Projektes oder Ihres Teams anpassen. 

1. Die Rahmenbedingungen abstecken

Stecken Sie zuerst den Rahmen für die Analyse ab. Dieser umfasst Ihre Ziele, Ihre aktuelle Situation und den Umfang, den Sie mit der Analyse abdecken möchten.

Ihre Rahmenbedingungen sollten diese Komponenten umfassen: 

Die Frage, auf die Sie mithilfe Ihrer Analyse eine Antwort finden wollen

Eine erfolgreiche Kosten-Nutzen-Analyse beginnt mit einer guten Frage. Seien Sie dabei so spezifisch wie möglich, denn es ist einfacher, eine Antwort auf die Frage „Sollen wir unsere mobile App verbessern“ zu finden, als auf „Welche unserer Produkte sollten wir verbessern, um die Akzeptanz zu fördern?“.

Einen Überblick über Ihre aktuelle Situation

Ein Überblick bietet Ihnen die nötigen Kontextinformationen für Ihre Analyse. Er umfasst Ihren Ausgangspunkt, damit alle Beteiligten Ihre aktuelle Situation kennen und verstehen, warum Sie diese Überlegungen anstellen. Folgende Punkte sollten Sie in Ihrem Überblick erfassen: 

  • Den Hintergrund: Eine kurze Beschreibung Ihrer aktuellen Situation. 

  • Die aktuelle Leistung: Quantitative Daten, die beschreiben, wie Ihre aktuelle Lage aussieht. 

  • Chancen: Alle Bereiche, für die Sie aktuell Verbesserungspotenzial sehen. 

  • Prognostizierte Ergebnisse ausgehend vom Status quo: Quantitative Daten, die eine Prognose für den Fall ermöglichen, dass Sie beim Status quo bleiben und keine Änderungen vornehmen. 

  • Risiken des Status quo: Welche Risiken gehen Sie ein, wenn Sie keine Änderungen am Status quo vornehmen. 

Gehen wir davon aus, dass Sie überlegen, ob Sie Ihre mobile App überarbeiten sollen. Ihr Überblick könnte für dieses Beispiel so aussehen: 

  • Hintergrund: Wir haben eine mobile App und eine Web-App. 

  • Aktuelle Leistung: Unsere mobile App wird von 100.000 Nutzern verwendet, unsere Web-App von 400.000 Nutzern.

  • Chancen: 300.000 unserer Nutzer verwenden zwar die Web-App, aber nicht die mobile App. 

  • Prognostizierte Ergebnisse ausgehend vom Status quo: Die Nutzeranzahl unserer Web-App wächst jährlich um 50 %. Unseren Prognosen zufolge bleibt diese Entwicklung konstant, sodass wir in einem Jahr mit 600.000 Nutzern rechnen. Im Vergleich dazu betrug die Zuwachsrate an Nutzern unserer mobilen App jährlich 10 %. Wir gehen auch hier von einer konstanten Entwicklung aus und rechnen mit 110.000 Nutzern in einem Jahr. 

  • Risiken des Status quo: Eine geringere Akzeptanz der mobilen App bedeutet, dass Nutzer weniger Flexibilität genießen. Mitbewerber mit besseren mobilen Apps könnten in dieser Kategorie gewinnen, und unsere Marke könnte dafür bekannt werden, eine schlechte Nutzererfahrungen in der mobilen App zu bieten. Ohne eine effektive mobile App könnten wir eine große Anzahl potenzieller Kunden verlieren. 

Den Umfang Ihrer Analyse

Schließlich sollte Ihr Rahmen auch den Umfang Ihrer Kosten-Nutzen-Analyse klären. Dieser ähnelt dem Projektumfang und legt die Grenzen Ihrer Analyse fest. Außerdem wird darin beschrieben, welche Daten Sie für Ihre Berechnungen heranziehen (und welche Sie nicht einfließen lassen). Üblicherweise werden im Umfang folgende Punkte erfasst: 

  • Für welchen Zeitrahmen Ihre Schätzungen der potenziellen Kosten und des erwarteten Nutzen gelten. So könnte sich die Prognose zum Beispiel nur auf das nächste Jahr beziehen.

  • Welche Art von Kosten und Nutzen Sie ein- bzw. ausschließen. Sie könnten beispielsweise Arbeitskosten und -ressourcen miteinbeziehen, Kosten für Verbesserungen aber ausschließen.

  • Wie Sie die Kosten und Nutzen messen werden. Sie könnten die konkreten Kosten, wie Ausgaben für Arbeitsstunden und Ressourcen, zum Beispiel mit Eurobeträgen messen und immateriellen Kosten oder Nutzen, zum Beispiel Markenbekanntheit, Key Performance Indicators (KPIs) zuweisen.

2. Kosten und Vorteile auflisten und kategorisieren

Als nächstes listen Sie alle Kosten und Nutzen Ihrer Entscheidung auf. Dazu schließen Sie sich am besten mit Ihren Stakeholdern zusammen, um von deren Expertise zu profitieren (z. B. könnte Ihr IT-Team sicher gut einschätzen, wieviel die Entwicklung einer neue Software kosten würde). Gehen Sie an Ihre Entscheidung wie an ein Projekt heran, dass Sie durchführen, um an ein bestimmtes Ziel, in diesem Fall zu einer bestimmten Entscheidung, zu gelangen. Überlegen Sie sich auch, welche Ressourcen Sie benötigen (Materialien oder Arbeitskräfte) und zu welchem Ergebnis Ihre Entscheidung führen würde (z. B. zu einem höheren Umsatz). 

Teilen Sie die Kosten und Nutzen bei der Auflistung in die folgenden Kategorien ein und notieren Sie danach zu jedem Punkt auf Ihrer Liste den geschätzten Betrag.  

Art der Kosten

  • Direkte Kosten: Kosten, die im Zuge der Herstellung Ihres Produkts, Ihrer Dienstleistung oder Ihrem Projekt entstehen. Es handelt sich hier üblicherweise um Materialien, Ausrüstung oder Arbeitskraft, die Sie für die Durchführung Ihres vorgeschlagenen Maßnahmenplans benötigen. Direkte Kosten bei der Überarbeitung Ihrer App könnten zum Beispiel durch folgende Punkte entstehen: die Arbeitsstunden Ihres Produktteams, einen Vertrag mit einem Unternehmen für Nutzerforschungstests und eine neue Entwicklersoftware. 

  • Indirekte Kosten: Fixe Kosten, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Herstellung stehen. Denken Sie zum Beispiel an die laufenden Kosten für Ihren allgemeinen Geschäftsbetrieb, wie Miete, Versorgungswirtschaft und Transportkosten. Bei der Entwicklung einer neuen mobilen App könnten zum Beispiel folgende Punkte zu berücksichtigen sein: Internet für Ihr ortsunabhängiges Entwicklerteam, sowie Abonnements für neue Software zur Zusammenarbeit und Entwicklersoftware.

  • Immaterielle Kosten: Kosten, die sich nicht mit konkreten Geldbeträgen messen lassen, wie die Auswirkungen auf die Markenwahrnehmung oder die Kundenzufriedenheit. Es können aber auch Kosten für Chancen sein, die nicht genutzt werden, wenn Sie am Ende der Kosten-Nutzen-Analyse eine andere Entscheidung wählen. Für die Entwicklung Ihrer App könnten beispielsweise folgende immaterielle Kosten anfallen: nachlassende Zufriedenheit unter Desktop-Nutzern. Dabei handelt es sich um Kosten für Chancen, da Sie sich für ein Upgrade Ihrer mobilen App, anstelle der Entwicklung einer Desktop-App entscheiden. 

  • Kosten potenzieller Risiken: Kosten, die mit unerwarteten Hindernissen verbunden sind. Es handelt sich hierbei also um Ausgaben, die Sie tätigen müssen, falls ein unvorhergesehenes Ereignis Ihre Projektpläne durchkreuzt. Denken Sie dabei an mögliche Probleme, die Sie auch im Risikoregister Ihres Projekts erfassen würden, wie zum Beispiel Verletzungen der Datensicherheit, terminliche Verzögerungen oder ungeplante Arbeitsvorgänge. Für die Erstellung der neuen mobilen App könnten Sie zum Beispiel folgende potenzielle Risiken auflisten: Kosten für unerwartete Überstunden, Arbeitsstunden des Sicherheitsteams zur Lösung von unvorhergesehen Datenschutzproblemen der App und Eilzuschläge, um Verzögerungen zu verhindern. 

Gehen Sie bei der Auflistung Ihrer konkreten Kosten (direkte und indirekte) genauso vor, wie bei der Erstellung eines Projektbudgets. Erfassen Sie alle Aufgaben, die erledigt werden müssen, wenn Sie die Entscheidung treffen und notieren Sie alle Ressourcen, die für die einzelnen Ergebnisse benötigt werden. Bei den immateriellen Kosten müssen Sie etwas kreativer werden. Wenn Ihnen dieser Punkt Schwierigkeiten bereitet, können Sie sich ansehen, welche Auswirkungen ähnliche, bereits abgeschlossene Projekte hatten und sich davon inspirieren lassen. 

Art der Nutzen

  • Direkte Nutzen: Nutzen, deren Wert Sie mit einem konkreten monetären Betrag messen können, wie zum Beispiel die Einnahmen, die Sie mithilfe eines neuen Projektes generieren werden. Für unserer Beispiel könnten das die Einnahmen durch neue Abonnenten der mobilen App sein. 

  • Indirekte Nutzen: Nutzen, die Sie zwar wahrnehmen, aber nicht mit einem konkreten Geldbetrag messen können. Dazu zählen beispielsweise eine höhere Kundenzufriedenheit und eine größere Markenbekanntheit.

3. Werte abschätzen

Jetzt ist es an der Zeit, den Wert aller erfassten Kosten und Nutzen zu schätzen. Für die konkreten Kategorien (wie die direkten und indirekten Kosten, sowie die direkten Nutzen) ist das unkompliziert, Sie weisen ihnen einfach einen konkreten Geldbetrag zu. Den Posten der immateriellen Kategorien (immaterielle Kosten und Nutzen), weisen Sie anstatt der konkreten Geldbeträge KPIs zu. Sie könnten die Kundenzufriedenheit zum Beispiel mithilfe der Kundenverlustquote messen. Wenn möglich, nutzen Sie für die Kosten und Nutzen dieselben KPIs, das erleichtert Ihnen später das Vergleichen. 

Wir können die Zukunft nicht voraussagen, daher handelt es sich bei diesen Werten am Ende immer nur um Schätzungen. Damit Ihre Berechnungen aber so genau wie möglich werden, können Sie Kosten und Nutzen bereits abgeschlossener Projekte als Anhaltspunkte verwenden. Vergangene Projekte sind eine Schatzkiste voller Daten und gewonnener Erkenntnisse. Von diesen Informationen können Sie den realen wirtschaftlichen Wert von vergangenen Kosten und Nutzen ablesen und prüfen, ob es Faktoren gibt, die Sie bei Ihren aktuellen Überlegungen noch übersehen haben. Die Verwendung eines Projektmanagement-Tools erleichtert Ihnen diesen Schritt, da darin alle Informationen und Gespräche zu Projekten an einem zentralen Ort erfasst werden. Dadurch können Sie frühere Vorhaben einfach nach den gewünschten Informationen durchsuchen. 

Bild einer beispielhaften Kosten-Nutzen-Analyse
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4. Kosten vs. Vorteile analysieren

Jetzt kommen wir zum spannenden Teil, nämlich zur tatsächlichen Analyse Ihrer Kosten und Nutzen. Bedenken Sie noch folgende wichtige Punkte, bevor Sie loslegen: 

  • Gesamtkosten: Die Summe aller Kosten.

  • Gesamtnutzen: Die Summe aller Nutzen.

  • Nettonutzen: Gesamtnutzen minus Gesamtkosten. 

  • Gegenwartswert Die Differenz zwischen dem gegenwärtigen Zahlungseingang und dem gegenwärtigen Zahlungsausgang über einen bestimmten Zeitraum. Vereinfacht gesagt: Der Netto-Gegenwartswert ist eine dynamischere Möglichkeit, um den Nettonutzen zu messen, da die Veränderungen Ihres Nettonutzens über einen bestimmten Zeitraum berücksichtigt werden. 

  • Nutzen-Kosten-Verhältnis: Hier wird das allgemeine Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen über einen bestimmten Zeitraum dargestellt. Im Grunde handelt es sich um die geschätzten Gesamteinnahmen dividiert durch die geschätzten Gesamtausgaben. Damit diese Berechnung aber dynamischer wird, berechnen Sie den Barwert Ihrer Kosten und Nutzen über die geplante Dauer Ihres Projekts. Wenn Ihr Nutzen-Kosten-Verhältnis größer als 1 ist, bedeutet dies, dass Ihre Nutzen größer sind als die Kosten. 

  • Abzinsungssätze: Werden verwendet, um zu schätzen, wie sich die Werte Ihrer Kosten und Nutzen über einen langen Zeitraum verändern werden (z. B. wie sie von der Inflation beeinflusst werden). Anders ausgedrückt handelt es sich hier vor allem um einen Zinssatz, den Sie auf künftige Kosten und Nutzen anwenden, damit Sie ihren aktuellen Wert berechnen können. Auf diese Weise können Sie genauer abschätzen, wie viel diese Kosten und Nutzen heute wert wären. 

  • Sensitivitätsanalyse: Bestimmt, wie sich Ungewissheiten auf Ihre Entscheidungen, Kosten und Gewinne auswirken. So könnten Sie zum Beispiel eine Sensitivitätsanalyse durchführen, um die Worst- und Best-Case-Szenarien Ihrer Entscheidung zu vergleichen. Wenn beim Worst-Case-Szenario die Kosten gegenüber den Nutzen überwiegen, können Sie Strategien entwickeln, um manche dieser Risiken zu minimieren. 

Ja, das sind wirklich viele Fachausdrücke, aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Wenn Sie komplexe Berechnungen wie die des Gegenwartwerts, des Nutzen-Kosten-Verhältnisses, der Abzinsungssätze und die der Sensitivitätsanalyse nicht anstellen möchten, ist das kein Problem – es ist nicht unbedingt notwendig. Der Einfachheit halber können Sie nur den Nettonutzen berechnen, das ist ausreichend. 

Wenn Sie immaterielle Kosten und Nutzen üblicherweise mit KPIs messen, können Sie diese getrennt vergleichen. Für die Analyse von KPIs gibt es ein paar verschiedene Ansätze: 

  • Wenn Sie für die Kosten und Nutzen dieselben KPIs verwenden, ziehen Sie die Kosten von den Nutzen ab, um Ihren Nettogewinn zu berechnen. Sehen wir uns das anhand des folgenden Beispiels an. Wenn Sie schätzen, dass Ihre Kundenverlustquote aufgrund Ihrer Entscheidung, die Desktop-App nicht umzusetzen, um 5 % steigen wird, und aufgrund der Entscheidung, die mobile App nicht umzusetzen, um 20 % sinken wird, beträgt die Nettoverlustquote 15 %.

  • Wenn Sie verschiedene KPIs für die Kosten und Nutzen haben, vergleichen Sie sie einzeln mit dem Status quo. So könnten Sie zum Beispiel Ihre geschätzte Kundenverlustrate mit der aktuellen Kundenverlustrate vergleichen, genauso die geschätzte mit der aktuellen Nutzungsrate. Dadurch bekommen Sie eine bessere Vorstellung von der Größenordnung dieser Kosten und Nutzen, müssen aber am Ende dennoch eine subjektive Entscheidung treffen, wie viel Wert Sie den einzelnen KPIs beimessen. Wir empfehlen Ihnen daher, für die Kosten und Nutzen dieselben Kennzahlen zu verwenden, um später einen genaueren Vergleich ziehen zu können. 

5. Eine Empfehlung abgeben

Hurra! Sie haben die Kosten-Nutzen-Analyse erfolgreich durchgeführt und können jetzt eine Empfehlung abgeben. Folgende Faktoren sollten Sie bei Ihrer Entscheidung bedenken: 

  • Wenn Ihr Nettonutzen positiv ist, bedeutet das, dass die Nutzen des Projektes größer sind als die Kosten. Dennoch sollten Sie unbedingt auf die Größe Ihres Nettonutzens achten. Ist er zu klein, könnten die Nutzen im Vergleich zu Ihren Anstrengungen eher gering ausfallen. In diesem Fall wäre es sinnvoll, eine alternative Entscheidung in Betracht zu ziehen. 

  • Wenn Ihre Nettonutzen negativ ist, bedeutet das, dass die Kosten des Projektes größer sind als die Nutzen. In diesem Fall ist es hilfreich, die größten Kostenpunkte zu identifizieren. Gibt es eine Möglichkeit, das Projekt anders zu gestalten, um diese Kosten zu reduzieren? 

  • Wenn Sie immaterielle Kosten und Nutzen bisher mit KPIs gemessen haben, sollten Sie diese zusätzlich zum Nettonutzen berücksichtigen. Wenn Ihr Nettonutzen beispielsweise relativ niedrig, die Kundenverlustquote laut Ihrer Prognose aber stark rückläufig ist, könnte es durchaus sinnvoll sein, das App-Projekt durchzuführen. 

Die Grenzen der Kosten-Nutzen-Analyse 

Die Kosten-Nutzen-Analyse ist ein nützliches Tool, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen. Wie alle anderen Schätzmethoden ist aber auch sie nicht perfekt. Wenn Sie überlegen, ob Sie eine Kosten-Nutzen-Analyse oder besser ein anderes Instrument für die Entscheidungsfindung anwenden sollen, beachten Sie folgende Einschränkungen: 

  • Einnahmen und Cashflow können aufgrund von Veränderungen am Markt unvorhersehbar sein.

  • In manchen Fällen können die Kosten oder Nutzen eines Projekts oder einer Entscheidung nicht als konkrete Geldbeträge dargestellt werden.

  • Wenn Sie für die Messung von immateriellen Kosten und Nutzen KPIs verwenden, ist der Wert subjektiv.

  • Es kann schwierig sein, alle möglichen Risiken genau vorherzusehen.

  • Die Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse nimmt geraume Zeit in Anspruch. 

Wenn Sie feststellen, dass sich eine Kosten-Nutzen-Analyse für Ihre Situation nicht eignet, könnten Sie auf die Erstellung einer Entscheidungsmatrix oder eines Entscheidungsbaums zurückgreifen. 

Holen Sie das Beste aus jeder Entscheidung heraus

Mit einer Kosten-Nutzen-Analyse können Sie auf Basis der Ihnen zur Verfügung stehenden Daten die bestmögliche Entscheidung treffen. Sie brauchen nicht mehr den Zufall walten lassen, sondern können voller Selbstvertrauen die richtige Option wählen.

Die Erstellung einer Kosten-Nutzen-Analyse mag auf den ersten Blick wie ein eigenständiges Projekt wirken, vor allem, wenn mehrere Beteiligte involviert sind. Bevor Sie loslegen, überlegen Sie sich am besten, ob Sie für die Koordination der Arbeit nicht ein Projektmanagement-Tool verwenden wollen. Mit Asana können Sie Aufgaben erstellen und zuweisen, Arbeitsvorgänge organisieren und mit Beteiligten dort kommunizieren, wo die Arbeit stattfindet. Außerdem können Sie Ihre gesamte Kosten-Nutzen-Analyse erstellen und sie dann als Vorlage speichern. So steht sie Ihnen auch in Zukunft jederzeit zur Verfügung und Sie müssen nicht immer wieder von vorne beginnen. 

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