Umschulung: Definition, Voraussetzungen und Angebote!

Philipp Steubel headshotPhilipp Steubel9. November 20226 Minuten Lesezeit
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Zusammenfassung

Eine Umschulung ist eine berufliche Weiterbildung in einem Bereich, in dem man vorher noch nicht gearbeitet hat. Es ist für Menschen gedacht, die bereits eine berufliche Ausbildung abgeschlossen haben und eine Neuorientierung anstreben. Die Kosten werden in den meisten Fällen von Leistungsträgern wie der Agentur für Arbeit übernommen.

Viele Menschen arbeiten jahrelang in einem Bereich und stellen dann fest, dass sie gerne das Berufsfeld oder die Branche wechseln möchten. Natürlich ist das nicht immer ganz einfach, immerhin hat man Verpflichtungen, Rechnungen zu bezahlen, etc. Wieder einfach zur Universität zu gehen und ohne Arbeit zu studieren geht für viele Leute einfach nicht mehr.

Wenn Sie beruflich neue Wege gehen möchten, dann bietet sich hierfür eine Umschulung ideal an. Dies ist nichts anderes als eine Weiterbildung in einer anderen Tätigkeit als die, die man vorher ausgeübt oder gelernt hat.

In diesem Artikel möchten wir näher auf das Thema Umschulung eingehen. Wir zeigen Ihnen, welche Voraussetzungen für eine Umschulung erforderlich sind, welche Arten es gibt und welche Ausbildungen aktuell sehr beliebt sind.

Was ist eine Umschulung?

Zu Beginn starten wir mit der Frage, was denn überhaupt eine Umschulung ist. Unter dem Begriff versteht man eine Aus- oder Weiterbildung in einem Bereich, in dem man vorher noch nicht gearbeitet hat oder in dem man vorher noch nichts erlernt hat. 

Obwohl man meist noch wenig bis gar keine Erfahrung in diesem Bereich hat, ist die Dauer einer Umschulung fast immer kürzer als eine herkömmliche Ausbildung im gleichen Bereich. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man bereits Lebens- und Berufserfahrung gesammelt hat.

Was ist das Ziel einer Umschulung?

Viele Leute stecken jahrelang in einem erlernten Beruf fest und würden gerne den Tätigkeitsbereich wechseln oder aufsteigen. Nehmen wir beispielsweise an, Sie sind in einem Unternehmen angestellt und arbeiten dort schon seit Beginn im Marketing. Sie unterstützen dabei die verschiedensten Projekte, jedoch immer nur als Marketing-Mitarbeiter.

Was Sie jedoch viel mehr interessiert, wäre die Tätigkeit des Projektmanagers. Damit Sie dieses Ziel nun erreichen können, könnten Sie sich um Umschulungen oder Weiterbildungen umsehen, die eine solche Ausbildung anbieten. Nach der erfolgreichen Absolvierung können Sie nun quasi als Quereinsteiger in dem Unternehmen, in dem Sie arbeiten, eine neue Tätigkeit ausüben.

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Das grundsätzliche Ziel dabei ist die berufliche Neuorientierung. Es geht darum, neue Wege zu beschreiten und die Abwechslung zu suchen. Es kann aber auch andere Gründe geben, warum eine Umschulung notwendig ist. So gibt es etwa den Fall einer Umschulung wegen einer Krankheit. Diese Krankheit kann Sie eventuell daran hindern, dem davor ausgeübten Ausbildungsberuf weiterhin nachzugehen. Daher müssen Sie sich hier nach einer Alternative umsehen.

Ein Beispiel wäre hier die Arbeit auf einer Baustelle. Diese ist natürlich körperlich sehr anstrengend und fordert viel von den Arbeitern. Wenn dann ein Unfall passiert und es dadurch einfach nicht mehr möglich ist, die körperliche Arbeit auf dem gleichen Niveau zu erledigen, müssen sich die Betroffenen im besten Fall nach einer Umschulung für einen neuen Bereich umsehen.

Wie lange dauert eine Umschulung?

Die Dauer der Umschulung ist von vielen Faktoren abhängig, wie etwa dem Tätigkeitsbereich, den man erlernt, und die Art, die man gewählt hat. Ähnlich wie bei einer herkömmlichen Ausbildung ist also keine genaue Aussage über die Dauer möglich.

Wenn Sie beispielsweise eine Umschulung in Vollzeit anstreben, ist diese grundsätzlich in 2 Jahren erledigt. Die Dauer kann man hier beispielsweise verkürzen, indem man sich gewisse Teile der Ausbildung anrechnen lassen kann. Dies muss man jedoch immer mit der Ausbildungsstelle abklären.

Wenn Sie aber weiterhin arbeiten müssen und die Umschulung in Teilzeit antreten, dauert diese in der Regel zwischen 24 und 30 Monaten. Man absolviert hier ähnlich wie bei der Ausbildung in Vollzeit alle theoretischen Kurse, es reduziert sich jedoch die Zeit für die praktischen Einheiten. Am Ende nimmt man an der gleichen Abschlussprüfung teil. Eine Umschulung in Teilzeit ist daher wesentlich schwieriger als in Vollzeit.

Die Dauer kann jedoch auch länger oder kürzer sein:

  • So gibt es viele Umschulungen, bei denen die Ausbildung drei Jahre dauert. Dies ist etwa beim Berufswechsel zur Erzieherin oder zum Erzieher der Fall. 

  • Wiederum kann es aber auch sein, dass manche Ausbildungen nur ein Jahr lang dauern. Nach diesem Jahr ist man dann qualifiziert, den neuen Beruf anzutreten.

In welchen Branchen kann ich eine Umschulung machen?

Umschulungen kann man in fast jedem Beruf machen. Es gibt jedoch einige Bereiche, die sehr beliebt sind. Darunter zählen:

  • IT-Berufe: IT-Administrator, Informatikkaufleute, Fachinformatiker

  • Kaufmännische Berufe: Immobilienkaufleute, Büromanagement, Gesundheitswesen, E-Commerce, Industriekaufmann oder -kauffrau

  • Handwerk: Mechaniker, Tischler, Augenoptiker, Konditor

  • Technische Berufe: Elektroniker, Mechaniker

  • Soziale Berufe: Fachkraft in der Pflege, Physiotherapeuten, Erzieher

Sie können sich hier bei verschiedenen Bildungsträgern, der IHK oder der Arbeitsagentur über die verschiedenen Angebote informieren. Diese informieren Sie über Umschulungsangebote, wo beispielsweise auch ein Fachkräftemangel herrscht. Sie bekommen dort auch einen Überblick über das Berufsbild.

Wann sollte ich eine Umschulung in Betracht ziehen?

Wie bereits vorher angesprochen, kann es die verschiedensten Gründe geben, warum eine Umschulung sinnvoll sein kann. In diesem Absatz möchten wir noch einmal näher darauf eingehen, in welchen Situationen Sie eine Umschulung in Betracht ziehen können oder sollten:

  • Eintöniges Tätigkeitsfeld: Viele Arbeiten können über eine gewisse Zeitspanne langweilig oder eintönig werden. Je nach Persönlichkeitstyp kann dies für manche Personen gut oder schlecht sein. Manche Menschen fühlen sich darin wohl, in ihrer Komfortzone zu bleiben und immer die gleichen Aufgaben abzuarbeiten. Andere Menschen wiederum suchen für die berufliche Zukunft nach Abwechslung in ihrer Arbeit.

  • Schlechte Work-Life-Balance: Auch bei einer schlechten Balance zwischen Arbeit und Freizeit kann man den Wechsel der Tätigkeit in Betracht ziehen. Als gutes Beispiel ist hier die Familienplanung anzuführen, denn natürlich möchte man mit den Kindern viel Zeit verbringen. Wenn man allerdings in seinem Unternehmen oder im Tätigkeitsbereich keine Möglichkeit auf Teilzeit, Gleitzeit oder Home-Office hat, kann man eine Umschulung in Betracht ziehen.

  • Keine Aufstiegsmöglichkeiten: Oftmals suchen Leute aber auch durch Umschulungen nach Chancen, die Karriereleiter aufzusteigen. Wenn die bisherige Tätigkeit keine Aufstiegsmöglichkeiten bietet, ist dies natürlich auf Dauer frustrierend. So kann man durch eine berufliche Weiterbildung aufsteigen und auch mehr verdienen.

  • Gesundheitliche Gründe: Wie bereits oben angeführt, können gesundheitliche Probleme oder die Berufsunfähigkeit Menschen dazu zwingen, das berufliche Umfeld zu wechseln. 

  • Keine sinnstiftende Arbeit: Oftmals suchen Menschen aber auch einfach nach einer Tätigkeit, die sinnstiftend ist und sich für Nachhaltigkeit, Innovation oder das Gemeinwohl einsetzt. 

Kann man eine Umschulung ohne Ausbildung machen?

Oftmals stellt sich die Frage, ob man eine Umschulung auch ohne eine Ausbildung machen kann. Und ja, es kommt vor, dass Menschen ohne eine Erstausbildung zu einer Umschulung zugelassen werden, jedoch ist dies nicht der Regelfall.

Für Menschen, die aus den verschiedensten Gründen keine berufliche Ausbildung haben, gibt es andere Möglichkeiten:

  • Schulische Ausbildung

  • Betriebliche Ausbildung

  • Förderprogramme für Leute, die spät ins Berufsleben starten

Eine Umschulung ohne Ausbildung ist meist nicht möglich, da diese als Zweitausbildung angesehen wird. Es wird somit eine gewisse Reife und ein bereits bestehender anerkannter Berufsabschluss vorausgesetzt, wodurch auch die Dauer der Umschulung meist kürzer gestaltet werden kann als eine herkömmliche Ausbildung. Gerade deshalb ist es aber für Menschen ohne eine Ausbildung meist sinnvoller, wenn diese eine herkömmliche Ausbildung anstreben.

Welche Arten von Umschulungen gibt es?

Wer sich nun dafür entschieden hat, eine Umschulung anzustreben, hat mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. In den folgenden Absätzen zeigen wir die drei gängigsten Methoden, wie du zu einer Umschulung kommst.

Umschulung bei einem Bildungsträger

Es gibt die verschiedensten Bildungsträger, bei denen Sie eine Umschulung ansuchen können. Diese übernehmen quasi die Funktion des Ausbildungsbetriebs und bieten Angebote für die verschiedensten Branchen an. 

Hierbei stellt sich oft die Frage “Wird die Umschulung bezahlt?” Wenn Sie bei einem Bildungsträger eine Umschulung ansuchen, wird diese durch einen sogenannten Bildungsgutschein finanziert. Diese wird durch die Agentur für Arbeit ausgehändigt. Folgende Schritte müssen hierfür absolviert werden:

  1. Im ersten Schritt müssen Sie bei der zuständigen Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter den Bildungsgutschein beantragen. Hier wird auch abgeklärt, ob Sie die Voraussetzungen dafür erfüllen.

  2. Im nächsten Schritt erhalten Sie eine schriftliche Zusage darüber, ob die Weiterbildungskosten übernommen werden. Danach haben Sie drei Monate Zeit, diesen Gutschein einzulösen.

  3. Danach können Sie nach Bildungsanbietern suchen. Es ist wichtig, dass der Anbieter über die “Anerkennungs- und Zulassungsverordnung (AZWV)” verfügt. 

  4. Bei den Anbietern können Sie sich über die passende Umschulung informieren lassen. Haben Sie eine Ausbildung gefunden, erfolgt die Abrechnung über den Bildungsgutschein.

Danach können Sie die Umschulung beginnen. In manchen Fällen werden hier auch Nebenkosten, wie etwa die Fahrtkosten, die Verpflegung oder die Unterkunft übernommen. Haben Sie die Weiterbildung abgeschlossen, können Sie in Ihrem neuen Berufsfeld durchstarten.

Schulische Umschulung

Für manche Berufe müssen Sie eine sogenannte Berufsfachschule besuchen. Hier bekommen Sie die Theorie und Praxis vermittelt. Auch hier können die Kosten wieder von Leistungsträgern wie der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Es gibt zudem verschiedene Fördermöglichkeiten oder Umschulungsmaßnahmen, über die Sie sich im Vorab informieren sollten.

Sie sollten hier jedoch beachten, dass eine Eigenbeteiligung notwendig sein kann, wenn die Ausbildung länger als 2 Jahre bzw. 24 Monate dauert.

Betriebliche Umschulung

Zu guter Letzt gibt es auch die Möglichkeit der betrieblichen Umschulung. Diese erfolgt nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und findet in einem Ausbildungsbetrieb statt. Man kann hier neben der betrieblichen Ausbildung auch den Berufsschulunterricht absolvieren. Dieser ist zwar nicht verpflichtend, in vielen Fällen aber empfehlenswert.

Für die betriebliche Umschulung wird ein spezieller Umschulungsvertrag abgeschlossen.  Die Umschulung kann auch hier durch Leistungsträger gefördert werden, in vielen Fällen bekommt man aber auch durch den Ausbildungsbetrieb einen Gehalt ausbezahlt.

Umschulungen richtig angehen

Ein Berufswechsel sollte sehr ernst genommen werden, immerhin starten Sie damit in ein neues Tätigkeitsfeld, von dem Sie sich sehr wahrscheinlich viel erhoffen. Sie sollten sich daher sicher sein, dass die gewählte Ausbildung auch richtig für Sie ist.

Auch die Ausbildung selbst sollten Sie gewissenhaft durchführen. Gerade für Menschen, die bereits eine Ausbildung absolviert haben und schon länger im Berufsleben stehen, kann der Umstieg zum Lernen schwierig sein. Achten Sie deshalb auf Ordnung, beachten Sie Ihr Zeitmanagement und erstellen Sie To-do-Listen, damit Sie immer den Überblick behalten. So klappt die Umschulung und die berufliche Neuorientierung auf jeden Fall.

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