Das Eisbergmodell: So kommunizieren Sie richtig!

Philipp Steubel headshotPhilipp Steubel25. April 20226 Minuten Lesezeit
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Zusammenfassung

Das Eisbergmodell ist ein sehr bekanntes Kommunikationsmodell. Hier wird ein Vergleich zum Eisberg gezogen, da wie auch bei der Kommunikation ein Großteil verborgen und unsichtbar bleibt. Das Eisbergmodell zeigt auf, warum es so ungemein wichtig ist, auf die non-verbale Kommunikation der Gesprächspartner zu achten.

Bei der Kommunikation gibt es viele verschiedene Ebenen, die man nicht offensichtlich sieht. Es zählt mehr zu einem Gespräch als das, was wir zueinander sagen. Auch das Verhältnis zu der anderen Person, der eigene persönliche Hintergrund und das Umfeld des Gespräches hat einen Einfluss auf den Verlauf der Kommunikation.

Genau diese Beziehung zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Kommunikation wird mit dem Eisberg-Modell näher beschrieben. Erfahren Sie mehr über das Eisbergmodell und die Bedeutung in der Kommunikation. Zudem bekommen Sie auch Tipps, wie Sie das Kommunikationsmodell nutzen können, um effektiver mit anderen Menschen sprechen zu können.

Was ist das Eisbergmodell?

Das Eisbergmodell, auf Englisch auch Iceberg Model oder Iceberg Therapy genannt, zählt wohl zu den bekanntesten Kommunikationsmodellen, die es derzeit gibt. Das Modell beschreibt hierbei die Analogie zwischen einem Eisberg und der Kommunikation. 

Wie Sie vielleicht wissen, schwimmt der größte Teil eines Eisberges unter Wasser. Um die 80%, um genau zu sein. Wenn wir also einen großen Eisberg vor uns sehen, dürfen wir nicht vergessen, dass nur 20% davon sichtbar ist. Der Rest liegt verborgen im Meer. 

Und genauso verhält es sich auch mit der menschlichen Kommunikation. Auch hier gibt es einen sichtbaren Teil, also die tatsächliche verbale Kommunikation, und den unsichtbaren Teil. Dieser Teil ist wiederum in verschiedene Ebenen unterteilt, dazu kommen wir aber später noch.

Eisbergmodell vs. Pareto-Prinzip

Durch das Verhältnis aus 80 zu 20 wird das Eisbergmodell oft in Verbindung mit dem Pareto-Prinzip gebracht. Hierbei ist es allerdings wichtig zu verstehen, dass es große Unterschiede zwischen diesen beiden Modellen gibt.

  • Das Pareto-Prinzip steht dafür, dass 20% der Aufgaben für 80% der Ergebnisse sorgen. Es ist eine Zeitmanagement-Methode, um effektiver arbeiten zu können.

  • Beim Eisbergmodell hingegen soll das 80-20 Verhältnis nur dabei helfen, die Bedeutung der unbewussten Ebene in der Kommunikation zu veranschaulichen.

Man könnte beim Eisbergmodell auch genauso 90-10 schreiben. Tatsächlich wäre dieses Verhältnis bei einem realen Eisberg auch akkurater.

Woher stammt das Eisbergmodell?

Das bekannte Eisbergmodell wird oft in Verbindung mit Sigmund Freud gebracht. Der Psychoanalytiker hat mit seiner Persönlichkeitstheorie den Grundriss des Modells geschaffen. Tatsächlich spricht er in seiner Theorie davon, dass der Mensch in seinem täglichen Handeln von seinem Unterbewusstsein zum Großteil geleitet wird. Nur ein kleiner Teil wird tatsächlich von seinem Bewusstsein gesteuert.

Zu diesem Zweck teilte er die menschliche Psyche in drei verschiedene Bereich ein:

  • Das Es-ich (Lustprinzip): Dieser Teil besteht aus den Trieben und Wünschen

  • Das Über-ich (Moralitätsprinzip): Dieser Teil besteht aus den eigenen Werten und Prinzipien

  • Das Ich (Realitätsprinzip): Dieses Ich sorgt für einen Ausgleich zwischen den anderen beiden Teilen.

Viele denken, dass das Kommunikationsmodell von Freud stammt. Doch während Freud mit seiner Persönlichkeitstheorie das Fundament für das Eisbergmodell gestellt hat, hat er das Wort “Eisberg” in diesem Zusammenhang nie wirklich verwendet. Die Metapher des Eisbergs wurde zum ersten Mal von Ernest Hemingway genutzt. Dieser sagte:

“Wenn ein Schriftsteller genug davon versteht, worüber er schreibt, so soll er aussparen, was ihm klar ist. Wenn der Schriftsteller nun aufrichtig genug schreibt, wird der Leser das Ausgelassene genauso stark empfinden, als hätte der Autor es zu Papier gebracht. Ein Eisberg bewegt sich darum so anmutig, da sich nur ein Achtel von ihm über Wasser befindet.”

Dieses Zitat und die Persönlichkeitstheorie von Freud wurden schließlich im Eisbergmodell im Bereich der Kommunikation vereint. Die Übertragung auf diesen Bereich kann zum einen den Autoren Ruch und Zimbardo sowie dem Wissenschaftler Paul Watzlawick zugeschrieben werden. Beim Eisbergmodell stehen hier das Es-Ich und das Über-Ich für die Beziehungsebene, also der unsichtbare Teil des Eisberges. Das Ich steht für die Sachebene, also das, was tatsächlich gesagt wird.

Die verschiedenen Ebenen im Eisbergmodell

Kommen wir aber nun zum eigentlichen Thema, dem Eisbergmodell. Hier wird grundsätzlich einmal zwischen zwei verschiedenen Ebenen der Kommunikation unterschieden, der Sachebene und der Beziehungsebene.

Die Sachebene

In der Sachebene geht es um die Dinge, die sichtbar und bewusst kommuniziert werden. Dies sind also alle Informationen, Fakten, Wünsche und Anregungen, die verbal an den Gesprächspartner kommuniziert werden. Hier geht es also rein um die verbale Kommunikation eines Menschen.

Die Beziehungsebene

Die Beziehungsebene, oder auch psychosoziale Ebene genannt, beschäftigt sich mit dem Gegenteil. Hier geht es um alle unsichtbaren und unbewussten Dinge, die eine Rolle in der Kommunikation spielen. Hier unterscheidet man jedoch noch einmal zwischen zwei verschiedenen Ebenen:

  • Die vorbewusste Ebene: Diese handelt von den Ängsten und Gefühlen.

  • Die unbewusste Ebene: Diese besteht aus den Trieben, den Traumata und auch den Ur-Instinkten.

In der Beziehungsebene werden diese Gefühle, Wertvorstellungen und Emotionen non-verbal durch die Körpersprache übertragen. Es wird oft vieles nicht gesagt, da man sich selbst nicht einmal den eigenen Trieben oder Traumata bewusst ist. 

Warum ist das Eisbergmodell nützlich?

Wenn man sich das Grundprinzip von diesem Kommunikationsmodell ansieht, wird einem schnell klar, warum man über die verschiedenen Ebenen Bescheid wissen sollte. Es reicht nicht nur, dass man einem anderen Menschen zuhört. Denn dieser bewusste Teil macht eben nur 20% der Kommunikation aus. Vielmehr ist es darauf zu achten, was unbewusst von dem Gegenüber non-verbal kommuniziert wird.

Das Eisbergmodell ist daher in der zwischenmenschlichen Kommunikation ungemein nützlich, damit man Konflikte vermeiden kann. Wenn man die unbewusste Ebene ignoriert oder falsch interpretiert, können sich Gespräche schnell in eine falsche Richtung entwickeln. Dies stammt oft aus einem Unterschied zwischen der Sach- und der Beziehungsebene eines Menschen. Folgende Eisbergmodell Beispiele sollen dies besser veranschaulichen:

  • “Wie toll, dass du befördert wurdest” : Wenn man diesen Satz einfach so hört, kann er auf jeden Fall nett gemeint sein. Jemand freut sich für Ihre Beförderung. Wenn Sie aber sehen, dass Ihr Gegenüber die Augen verdreht oder Sie hören, dass der Tonfall sehr abwertend ist, ist dieser Satz ganz anders gemeint. In diesem Fall glaubt Ihr Gegenüber vielleicht, dass Sie die Beförderung nicht verdient haben.

  • “Morgen ist ja schon Freitag”: Auch dieser Satz kann auf zwei verschiedene Arten gemeint sein. Für den einen bedeutet es, dass man sich auf das Wochenende freut. Für den anderen bedeutet es Stress, da die Aufgaben noch erledigt werden müssen. Auch hier spielt die non-verbale Kommunikation eine wichtige Rolle.

  • “Übernimm dieses Kundengespräch für mich”: Auch diese Aussage von Ihrem Chef kann verschiedene Bedeutungen haben. Es kann heißen, dass er Ihnen diese Aufgabe zutraut oder selbst keine Zeit hat. Die Körpersprache ist entscheidend, um die Situation richtig deuten zu können.

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Konflikte mit dem Eisbergmodell vermeiden

Das Eisbergmodell in der Kommunikation zu berücksichtigen kann viele Vorteile haben. Wenn man es richtig angeht, kann man dadurch Konflikte lösen, welche natürlich für keine der beiden Seiten in einem Gespräch angenehm sind. 

Man muss dazu allerdings feststellen können, auf welcher Ebene die Ursache des Konfliktes liegt - entweder auf der Sachebene oder der Beziehungsebene.

1. Konflikt auf der Sachebene

Wenn es zu einem Problem auf der Sachebene kommt, kann dieses meist relativ leicht geklärt werden. Oftmals kann es einfach vorkommen, dass man das Gegenüber nicht richtig verstanden hat oder mehr Informationen braucht, um den Kontext richtig verstehen zu können.

Typische Gründe für einen Konflikt sind darüber hinaus Fehlinterpretationen oder unterschiedliche Gewichtungen. Was man dagegen tun kann, ist ganz eindeutig:

  • Hören Sie aktiv zu.

  • Sprechen Sie klar und deutlich und vermeiden Sie zweideutige Ausdrücke.

  • Wenn es Unklarheiten gibt, fragen Sie einfach nach.

  • Akzeptieren Sie Rückmeldungen.

  • Wenn notwendig, können Sie auch eine neutrale dritte Person in das Gespräch mit einbeziehen.

2. Konflikt auf der Beziehungsebene

Wesentlich schwieriger wird es, wenn sich der Konflikt auf der Beziehungsebene befindet. Hier kann es oft schwer sein, die Ursache eines Konfliktes zu erkennen und eine Lösung dafür zu finden. Folgende Punkte sollten Sie für eine erfolgreiche Kommunikation beachten:

  1. Probleme können auftreten, wenn die Gesprächspartner unterschiedliche Wertvorstellungen haben. Diese lassen sich nicht einfach so brechen, denn Werte sind tief in der eigenen Persönlichkeit verwurzelt. Akzeptieren Sie also, dass man die Werte eines anderen Menschen nur schwer verändern kann. Sehen Sie diese Chance eher als Bereicherung, um andere Ansichten kennenlernen zu dürfen.

  2. Im Projektmanagement können auch Probleme auftreten, wenn die Rollen nicht klar verteilt bzw. verstanden wurden. Wenn sich ein Teammitglied anders verhält, als es sollte, kann es zu Konflikten kommen. Hier sollte man auf Tools wie Selbstreflexion oder Feedback zurückgreifen, um Konflikte zu erkennen und zu lösen. Wichtig ist es auch hier, diese Probleme auf der Sachebene zu kommunizieren. 

Die Herausforderungen mit dem Eisbergmodell

Das Eisbergmodell liefert gute Ansätze dafür, wie man Konflikte erkennen und vermeiden kann. So ist es allerdings schwierig, dass eine Kommunikation von Anfang an reibungslos verläuft.

Eine Herausforderung, die das Eisbergmodell aufzeigt, ist die Übereinstimmung zwischen der Sachebene und der Beziehungsebene. Denn nur wenn das Gesprochene auch wirklich so innerlich gemeint ist, kann eine klare Kommunikation erfolgen.

Meist entstammen diese Konflikte der Beziehungsebene, entweder durch teilweise bewusste Ängste und Gefühle oder durch unbewusste Triebe oder Instinkte. Gibt es hier Störungen, kann dies die Kommunikation erheblich erschweren. Man sollte daher Verständnis entwickeln für unterchiedliche Ansichten. Mehr Offenheit gegenüber dem Kommunikationspartner kann Konflikten entgegenwirken.

Das Eisbergmodell in der Unternehmenskultur

Oftmals wird das Eisbergmodell in der Kommunikation angewendet, aber auch für die Unternehmenskultur kann dieses Modell angewendet werden. Immerhin gibt es auch hier sichtbare und unsichtbare Bereiche:

  • Sichtbar im Unternehmen ist beispielsweise der Dress-Code, die Gestaltung der Büros oder das Auftreten der Mitarbeiter. Auch festgelegte Verhaltensregeln, wie etwa ein Code of Conduct, zählen hier dazu.

  • Der wesentlich größere Teil ist jedoch auch hier der unsichtbare Bereich. Hierzu zählen die Werte und die Visionen des Unternehmens. Auch der Umgang mit den Kunden oder der interne Umgang zwischen den Mitarbeitern ist sehr wichtig.

Gerade in der Unternehmenskultur können sich unbewusste Regeln und Verhaltensweisen einschleichen, die nirgendwo aufgeschrieben sind, sondern einfach gelebt werden. Hemmen diese die tägliche Arbeit, sollte man versuchen, entsprechende Maßnahmen zu treffen.

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