Kognitive Dissonanz überwinden: Die wichtigsten Strategien!

Philipp Steubel – PortraitPhilipp Steubel
19. Februar 2024
6 Lesezeit (Minuten)
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Zusammenfassung

Kognitive Dissonanz bezeichnet ein Spannungsgefühl, welches auftritt, wenn verschiedene Kognitionen nicht mit der Realität übereinstimmen. Haben wir uns beispielsweise ein bestimmtes Ergebnis erwartet und ein anderes Ergebnis erhalten, kann dieses Gefühl auftreten. In solchen Situationen neigen wir dazu, verschiedene Informationen oder Fakten zu ignorieren oder auszublenden.

Als Menschen sind wir sehr geübt darin, die Realität um uns herum so anzupassen, dass diese in unsere Weltanschauung passt. Dazu verdrehen wir nicht selten Fakten und Wahrheiten oder ignorieren diese einfach, wenn sie nicht zu unseren Überzeugungen passen. Auch wenn wir davon überzeugt sind, dass wir ein sehr realistisches Weltbild haben, können solche Gedankenvorgänge auch unterbewusst passieren, ohne dass wir einen Einfluss darauf haben.

Die verschiedenen Wahrnehmungen und Gedanken werden auch als Kognitionen bezeichnet. Während diese Kognitionen in vielen Situationen mit der Realität übereinstimmen können, kann es oftmals zu Konflikten kommen. Das Resultat ist ein unangenehmes und negatives Gefühl. Genau damit befasst sich “a theory of cognitive dissonance”, auf Deutsch die Theorie der kognitiven Dissonanz.

Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über die kognitive Dissonanz, warum diese auftritt und mit welchen Strategien sich dieses Gefühl überwinden lässt. 

Was ist die kognitive Dissonanz?

Die kognitive Dissonanz ist nichts anderes als ein negativer Gefühlszustand, welcher auftritt, wenn verschiedene Kognitionen - also Gedanken, Wertvorstellungen, Wahrnehmungen oder Gefühle - nicht mit der Realität übereinstimmen.

Das Prinzip der Dissonanztheorie stammt vom amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger. Dieser formulierte gemeinsam mit Carlsmith im Jahr 1957 die erste Theorie diesbezüglich und ging dabei sowohl auf die Entstehung als auch die Auflösung von Dissonanzen ein. Seit dieser Zeit wurde das Modell mehrfach durch empirische Studien bestätigt, wie etwa von Aronson oder Akert. Heutzutage ist das Modell das Beliebteste unter den verschiedenen Konsistenztheorien.

Lassen Sie uns doch zum besseren Verständnis mit einem Beispiel zur kognitiven Dissonanz beginnen: Nehmen wir an, Sie haben sich entschieden, sich für eine Jobstelle zu bewerben. In Ihrem Kopf haben Sie bereits ein klares Bild darüber, wie gut der Bewerbungsprozess laufen wird und sind zuversichtlich, dank Ihrer Ausbildung und Ihren Qualifikationen den Job zu erhalten. 

Diese Wahrnehmung ist aber nur in Ihrem Kopf und muss nicht die Realität widerspiegeln. Sie haben sich also beworben, wurden aber gleich nach der ersten Bewerbungsrunde nicht angenommen. In diesem Fall kommt es zu Inkonsistenzen zwischen der Realität und Ihrer Vorstellung - es entsteht ein unangenehmes Störgefühl, die kognitive Dissonanz. Wie stark dieser Spannungszustand ist, hängt ganz davon ab, wie sehr sich die einzelnen Kognitionen widersprechen. 

Wir Menschen reagieren auf die kognitive Dissonanz mit dem dringenden Gefühl, dass wir die aktuelle Situation beheben müssen. Wir bezeichnen diesen Drang auch als Integrität. Intuitiv suchen wir mit unserem eigenen Verhalten also nach Rechtfertigungen, warum unsere Vorstellung nicht mit der Realität zusammenpasst. Dazu lügen wir auch gerne und biegen uns die Fakten und Tatsachen so, wie wir es möchten. Sie sagen sich deshalb nach der Absage: “Der Job hätte sowieso nicht zu mir gepasst!” Damit können Sie sich beruhigen und die kognitive Dissonanz, also das negative Gefühl, verringern. 

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Wann entsteht kognitive Dissonanz?

Das Gefühl der kognitiven Dissonanz tritt jeden Tag in unserem Leben auf. Die Stärke von diesem Gefühl kann je nach Situation unterschiedlich stark auftreten. Oftmals bemerken wir diesen inneren Vorgang gar nicht, weil unser Unterbewusstsein innerhalb weniger Sekunden auf das Dissonanzgefühl reagiert. 

Es gibt verschiedene Gründe bzw. Situationen, die zur kognitiven Dissonanz führen können. Dazu gehören unter anderem folgende Bereiche:

Falsche Entscheidungen

Wir Menschen sind täglich mit Entscheidungen konfrontiert. Diese können sehr klein sein, wie etwa die Wahl des Films, den wir uns heute ansehen, oder etwa, was wir zum Frühstück haben möchten. Wir müssen aber auch viele große Entscheidungen treffen, vor allem im Berufsleben. Hier stehen oft wichtige Fragestellungen an, für die wir uns länger Zeit nehmen müssen.

Dazu führen wir intensive Recherchen und Analysen durch und halten auch viele Meetings mit unsere Teamkollegen. Gerade wenn wir Wochen oder Monate damit verbringen, uns auf eine Entscheidung vorzubereiten, möchten wir innerlich auch, dass sich diese getroffene Entscheidung als richtig herausstellt. Wenn sich jedoch genau solche großen Entscheidungen als falsch herausstellen, entsteht eine starke kognitive Dissonanz.

Nicht erfüllte Erwartungen

Bleiben wir gleich im Berufsleben. Nehmen wir an, Sie sind mit einem Projekt vertraut, das Ihnen sehr am Herzen liegt. Sie geben also 100% und legen sich richtig ins Zeug. Sie arbeiten ununterbrochen am Projektmanagement und haben dementsprechend auch hohe Erwartungen an das Endergebnis.

Wenn diese Ergebnisse in Wirklichkeit aber anders sind als in der Vorstellung, kann dies zu kognitiver Dissonanz führen. Gerade wenn wir viel Arbeit und Mühe in dieses Projekt stecken, kann das unangenehme Gefühl sehr starksein. Das Gefühl ist ebenfalls sehr stark, wenn die Erwartungen eigentlich realistisch und möglich gewesen wären.

Weitere Beispiele finden sich auch in unserem Privatleben. Wenn Sie zum Beispiel mit Sport anfangen möchten, wäre ein unrealistisches Ziel 10 Kilogramm in einem Monat abzunehmen. Realistischer hier wären 10 Kilogramm in drei Monaten. Wenn aber selbst dieses Ziel nicht erreicht wird, sinkt die Motivation und die eigenen Erwartungen wurden nicht erfüllt. Auch bei Kaufentscheidungen kann die kognitive Dissonanz auftreten.

Falsche Erwartungen

In unserem ersten Beispiel der kognitiven Dissonanz haben wir bereits über falsche Erwartungen gesprochen. Oftmals stellen wir uns einen Weg leichter vor, als dieser in Wirklichkeit ist. Kommen wir wieder zu unserem Beispiel von dem Projekt. Vielleicht denken Sie sich zu Beginn, dass Sie das Projekt innerhalb von einem Monat fertigstellen können. Es sind immerhin nur ein paar Recherchen notwendig, auch die Umsetzung sollte sehr schnell abgeschlossen sein.

In der Realität werden unsere Erwartungen jedoch nie zu 100% erfüllt. Es können immer wieder Probleme auftreten, durch welche sich die Fertigstellung nach hinten verschiebt. Dadurch müssen Sie entweder mehr an dem Projekt arbeiten und Überstunden absitzen, um das Projekt rechtzeitig abzuschließen. Im schlimmste Fall müssen Sie die Fertigstellung nach hinten verschieben. Die Erwartungen haben sich also als falsch herausgestellt und es entsteht eine kognitive Dissonanz.

Wie lässt sich eine kognitive Dissonanz überwinden?

Für die wenigsten von uns lässt sich das Gefühl der kognitiven Dissonanz auf lange Zeit ertragen. Deshalb setzen wir alles daran, dieses Gefühl zu vermeiden. In den nächsten Absätzen sprechen wir über einige Taktiken, mit denen wir Menschen oft versuchen, eine Dissonanzreduktion zu erzielen.

Selektive Wahrnehmung

Mit dieser Strategie reagieren wir oft, wenn wir auf kognitive Dissonanz stoßen. In diesem Fall versuchen wir die eigene Wahrnehmung zu verändern und zu verzerren. Bei Informationen, die nicht zu unserer Weltanschauung passen, findet eine Nichtwahrnehmung statt. Auch das Abwerten von anderen Meinungen kann häufig auftreten. So erhalten wir uns ein positives Selbstbild.

Diese Strategie ist langfristig gesehen nicht sinnvoll, da hier lediglich die Realität verdrängt wird. In Wirklichkeit haben wir nur ausgeblendet, was uns nicht gefällt. Trotzdem ist sie insofern sinnvoll, da das Gefühl der kognitiven Dissonanz verringert wird.

Selektive Beschaffung

Mit der selektiven Beschaffung gehen wir sogar noch einen Schritt weiter. Hierbei befinden wir uns in einer Art Blase, in der wir überhaupt nicht zulassen, dass uns ungewollte Informationen oder Fakten erreichen. Dies können wir zum Beispiel erzielen, indem wir gewisse Medien vermeiden oder mit anderen Personen nicht über gewisse Themen sprechen.

Hier lassen sich auch einige Beispiele anführen. Wenn Personen etwa rauchen, vermeiden diese, vielleicht auch nur unbewusst, medizinische Artikel, in denen über die gesundheitlichen Folgen vom Rauchen gesprochen wird. Stattdessen zeigen sie auf den Nachbarn von gegenüber und sagen:” Mein Nachbar wurde 93 Jahre alt und hat geraucht, so schlimm kann es also nicht sein.”

Schuldzuweisungen

Auch diese bedenkliche Strategie in der kognitiven Dissonanz wird oft angewendet. Wenn Probleme entgegen unseren Erwartungen auftreten, suchen wir oft die Schuld bei anderen Dingen oder oftmals auch bei anderen Menschen.

Mit dieser Strategie überzeugen Sie sich selbst davon, dass Sie gar keinen Einfluss auf das Geschehene hatten. Sie konnten gar nichts dagegen tun, immerhin war es ja gar nicht Ihre Schuld. Sie erkennen sicherlich, dass auch diese Strategie langfristig gesehen nicht sehr hilfreich ist. Gerade wenn Sie in einem Team arbeiten und die Schuld den anderen Mitgliedern geben, kann dies die zukünftige Arbeit stark beeinträchtigen.

Rechtfertigungen

Wir reagieren oftmals auch mit verschiedenen Rechtfertigungen. Immerhin können wir uns ja dann einreden, dass wir für den Ausgang der Situation grundsätzlich nicht verantwortlich sind. Daher setzen wir auf Einstellungsänderungen. Wir passen unsere Einstellung an die Situation an und versuchen so, die Auswirkung zu verharmlosen.

Selbstreflexion

Was wirklich gegen kognitive Dissonanz helfen kann, ist eine Verhaltensänderung. Dazu müssen Sie aber auch kritikfähig gegenüber sich selbst sein. Dies ist natürlich nicht einfach und erfordert einiges an Selbstüberwindung und Informationssuche. Wenn es aber funktioniert, können Sie ohne jegliche Verzerrungen oder Rechtfertigungen das unangenehme Gefühl in Ihnen reduzieren.

Gehen wir wieder zu unserem Projektbeispiel. Wenn Sie die Deadline nicht erreicht haben, sollten Sie sich fragen, warum es dazu gekommen ist. Vielleicht haben Sie den Aufwand falsch eingeschätzt oder sich selbst tatsächlich überschätzt. Wenn Sie daraus lernen, können Sie für die nächsten Projekte einen realistischeren Zeitrahmen einschätzen.

Die Gefahr der kognitiven Dissonanz

Die kognitive Dissonanz kann sehr gefährlich sein, vor allem auch für das Berufsleben. Nehmen wir an, Sie müssen einen Pitch abhalten, wissen aber bereits im Vorhinein, dass Sie sich nicht richtig darauf vorbereitet haben.

Unterbewusst versuchen Sie daher bereits im Vorhinein, Ihre eigenen Erwartungen anzupassen, damit eine kognitive Dissonanz vermieden wird. Dies ist aber sehr kontraproduktiv, da dies auch Ihr Verhalten verändert. Wenn Sie mit einem negativen Gefühlszustand den Pitch starten, wird dieser mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht sehr gut ausgehen. Die kognitive Dissonanz ist dafür sehr gering.

Wenn Sie allerdings mit einer positiven Einstellung in das Meeting gehen, laufen Sie natürlich Gefahr, dass Sie kognitive Dissonanz erleben. Trotzdem ist es mit einer positiven Einstellung wahrscheinlicher, dass der Pitch dennoch gut ausgeht.

Wenn Sie versuchen, über solche Ausreden Ihre eigenen Erwartungen zu senken, sabotieren Sie im Endeffekt Ihren eigenen Erfolg. Sie sollten allerdings proaktiv auf solche Dinge zugehen. Wenn Sie einen wichtigen Termin haben, sollten Sie sich mit dem richtigen Zeitmanagement rechtzeitig darauf vorbereiten. Wenn Sie dennoch nicht richtig darauf vorbereitet sind, könnten Sie den Termin eventuell auch verschieben.

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